Das Sofa

Das Kanzlersofa ist mehr als nur ein Sitzmöbel. Es verkörpert nicht nur Design aus den 30iger Jahren (1s. Mod. Sachlichkeit), sondern es repräsentiert auch seit 1963  ein Stück Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Es wurde von Sep Ruf ‚nach Zeichnung‘ in Auftrag gegeben und befindet sich dreimal im Bonner Kanzlerbungalow.

Die geringe Höhe der Rückenlehne und die fest verpolsterten Chesterfieldflächen bedingen ein komfortables Sitzgefühl auf einem viersitzigen Sofa dessen Design sich im Raum nicht aufdrängt. Damit erreicht man trotz der räumlich mittigen Platzierung im Bungalow ein offenes Raumgefühl. Viele internationale Gäste der Bundesrepublik Deutschland nahmen auf diesem Sofa platz.

Materialien

Die Recherche zur Revitalisierung der originalen Kanzlersofas wurde anhand eines vorhanden Fragments nachvollzogen. Dies befand sich im Keller des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, dem früheren Kanzleramt.

Ein Aufriss des Buchenholzgestelles und der sich darauf befindlichen Federschnürung ergab die Grundlage für die nicht sichtbaren konstruktiven Elemente. Darüber hinaus wurden Recherchen zur Chesterfieldheftung und dem Stoff, bzw. Leder über archivierte Fotographien erarbeitet.

Denkmalpflege und vor allem die architektonische Projektsteuerung durch Prof. Burkhardt,TU Braunschweig, Leiter des Projektes der Wüstenrotstiftung, haben Wand und Raum bei der Revitalisierung der Sofas entscheidende Hilfestellung geleistet.

Der Kanzlerbungalow

Bundeskanzlerbungalow, Bonn

1963 beauftragt Ludwig Erhard den Architekten Sep Ruf mit dem Entwurf eines modernen repräsentativen Wohn- und Empfangsgebäudes. Der schon ein Jahr später eingeweihte KANZLERBUNGALOW gilt auch im Vergleich mit Residenzen westlicher Regierungschefs als unverwechselbares und einmaliges Domizil. Innerhalb des Ensembles Palais Schaumburg und Villa Hammerschmidt im ehemaligen Regierungsviertel in Bonn kommt dem Bungalow eine besondere historisch-politische und architektonische Bedeutung zu.

Sep Ruf gehört zu den erfolgreichsten Architekten der „Wirtschaftswunderjahre“. Einer seiner bekanntesten Bauten ist der mit Egon Eiermann 1958 entworfene Deutsche Pavillion auf der Brüsseler Weltausstellung

Für den Kanzlerbungalow gestaltete er zwei quadratische, gegeneinander versetzt angeordnete, verschieden große eingeschossige Atriumbauten. Der größere Teil war geplant für repräsentative Zwecke und der kleinere Teil diente der privaten Nutzung.

2008 wurde der Bonner Kanzlerbungalow zum Museum erklärt, in dem seither Besucher über die Architektur und der darin stattgefundenen Geschichte der Bundesrepublik Deutschlands informiert werden. Wegen des Berlinumzugs der deutschen Regierung entfiel die ursprüngliche Nutzung.

Im von Sepp Ruf gebauten und möblierten Bungalow haben als Kanzler Ludwig Erhard, Kurt-Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder residiert.



Biennale, Venedig

Bungalow Germania, deutscher Beitrag.

Im Sommer 2014 machten sich der Bonner Kanzlerbungalow und sowie Sofa auf die Reise nach Venedig, um sich in den Gärten der Biennale mit dem deutschen Pavillion zu verschneiden. BUNGALOW GERMANIA nannten ihn die Architekten Lehnereru.Ciriacidis aus Zürich ihre Installation. Sie hatten den Wettbewerb zur Architekturbiennale 2014 in Venedig gewonnen.

Das eine Gebäude wird zur Bühne des jeweils anderen. Das „Transparente“,des Bungalows, trifft auf das “steinerne  Wort“. Der 1964 gebaute Kanzlerbungalow sollte mit architektonischen Mitteln von einer neuen Republik sprechen und wurde so zu einem politischen Gebäudeinnerhalb der geschichtsträchtigen Architektur des 1938 von den Nationalsozialisten gebauten deutschen Pavillions in Venedig. Hier nun trifft das Kanzlersofa in seiner in Bonn plazierten Stellung auf die Mauern des Pavillions und weicht diesen nicht aus sondern fragmentiert sich den vorhandenen Mauern ergebend. 

Das Sofa wurde auch als Fragment detailgetreu in Bonn bei Wand u.Raum nachgebaut und auf die Reise nach Venedig gesandt. Es befindet sich heute in den Räumen der planenden Architekten Prof.AlexLehnerer und Prof. Savvas Ciriacidis an der ETH Zürch .

Als aus dem Züricher Architekturbüro Ciriacidislehnerer die Anfrage zur Reproduktion der originalen Vorhänge und einem Kanzlersofa aus dem Bonner Kanzlerbungalow für die kommende Architektur-Biennale kam, war unser Interesse groß. Hatte Wand & Raum bereits 2008 für die Wüstenrotstiftung im „echten“ Kanzlerbungalow genau diese Leistungen erbracht. So kam es, dass Dekorationsstoffe, Gittertüll und ein Sofafragment des Kanzlersofas produziert und an die Lagune Venedigs verschifft wurden. Bis Ende November 2014 kann jeder die beeindruckende räumliche Montage zweier Gebäude im deutschen Pavillon in Venedig begutachten und sogar auf dem Kanzlersofa Platz nehmen.

Siehe auch bungalowgermania.de und Das Wohnzimmer der Republik